Was sind Lochkartensysteme?

Feb 24, 2011 von Compifreak

Zur mechanischen Speicherung von Datensätzen in der Datenverarbeitung werden Lochkarten benötigt. Diese Lochkarten werden durch Lochkartensysteme ausgewertet. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Lochkartensysteme verwendet. Sie fanden in vielen Bereichen ihre Anwendung. So sind etwa bis heute in Spieluhren und Drehorgeln Lochkarten zu finden. Diese Lochkartensysteme sind allerdings eher zu den einfachen Systemen zuzurechnen.

Erfassung und Auszählung

Lochkartensysteme kommen auch bei der Erfassung und Auszählung von Personen und Wahlen zum Einsatz. Legendär ist der Einsatz der Lochkartensysteme von Herman Hollerith. Er entwickelte Lochkarten und Lochkartensysteme, die bei der US-amerikanischen Volkszählung im Jahre 1890 genutzt wurden. Die Lochkarten enthalten verschiedene Stanzungen, die für wichtige Fakten stehen. Zuerst wurden die entsprechenden Löcher in die Lochkarten gestanzt, diese erfassten Daten später per Hand in die Tabelliermaschinen eingegeben und von diesen ausgewertet. Die Volkszählung endete am 1. Juli 1890, die ersten Ergebnisse dieser Zählung wurden am 12. Dezember 1890 veröffentlicht. Sie machten Angaben zur Einwohnerzahl. Die weiteren Ergebnisse wurden nach und nach bis 1896 bekannt gegeben. Die Lochkartensysteme bzw. Tabelliermaschinen, wie sie von Herman Hollerith entwickelt wurden, sind die Vorläufer der heutigen Computer. Sie waren lange Zeit die einzige Arbeitserleichterung bei der Erfassung und Auswertung vieler Daten.

2. Weltkrie

Im 2. Weltkrieg wurden ebenfalls Lochkartensysteme eingesetzt. Diese stammten von der deutschen Tochterfirma DEHOMAG der Tabulating Machine Company, des von Herman Hollerith in den USA gegründeten Unternehmens zur Herstellung von Lochkartensystemen. Unter anderem wurden diese Maschinen in Deutschland zur Erfassung der Juden verwendet. Die Lochkartensysteme sind also die Vorgänger der modernen Datenverarbeitung und kommen heute sogar immer noch zum Einsatz. Die Arbeitsweise der Lochkartensysteme basiert darauf, dass die eingegebenen Daten automatisiert erfasst werden. Es ist daher nicht notwendig, dass man jeden Datensatz einzeln eingibt, sondern nur Zahlen oder Adressangaben, die durch das Lochkartensystem an die richtige Stelle gerückt wird. Bei der heutigen Datenverarbeitung kann man in dieser Hinsicht die Arbeitsweise der Lochkartensysteme nachvollziehen. Durch die Verwendung von bestimmten Funktionstasten und der Cursortasten kommt man ohne Umwege in die benötigten Spalten und spart somit viel Zeit ein.

Weite Verbreitung

Viele Jahre wurden Lochkartensysteme auf allen erdenklichen Gebieten eingesetzt. Im Prinzip waren sie überall zu finden, wo ein Programm automatisch gestartet werden sollte. So war es beispielsweise etwa ganz Normales, wenn man zu seiner neuen Waschmaschine eine Lochkarte dazu bekam. Auf dieser waren die verschiedenen Waschprogramme gespeichert und zur Inbetriebnahme der Waschmaschine musste die Lochkarte genutzt werden. Mitte der 1960er Jahre gesellten sich die Magnetbänder dazu. Heute wurden die Lochkarten zumindest in der Datenverarbeitung zum größten Teil durch Chipkarten oder ähnliche Technik ersetzt. Neben der oben erwähnten Nutzung in Drehorgeln und Spieluhren findet man Lochkartensysteme weiterhin aktuell in den USA bei den Wahlen. Die Wahlmaschinen werden heute noch mit Lochkarten betrieben. Ferner sind Lochkartensysteme in manchen Betrieben als Stempeluhren vorhanden. Hotelzimmer werden außerdem oft durch eine Lochkarte geöffnet.
Man sieht, dass die Lochkartensysteme noch lange nicht veraltet sind. Zwar hat der Computer sie heute fast verdrängt, aber eben nur fast. In manchen Bereichen haben sich die Lochkartensysteme als wesentlich effizienter herausgestellt als die Computer. Trotzdem ist es aber sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Lochkartensysteme komplett verschwunden sind.

Foto: Micha – Fotolia.com

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